Der Bass der Lautsprecher vibrierte in meiner Brust, kaum dass ich eingetreten war. Gedimmtes Licht und wabernder Rauch verliehen dem Raum einen verschwommenen, fast filmreifen Glanz – wie bei einem Traum, von dem man weiß, dass man ihn eigentlich nicht haben sollte, den man sich aber dennoch wünscht. Ich hätte nicht hier sein dürfen. Nicht an einem Ort wie diesem. Nicht mit dem Ruf, den ich mir erworben hatte. Doch heute Abend war ich nicht gekommen, um karim zu sein. Ich war nicht hier, um Angst zu verbreiten, Hände zu schütteln oder im Schatten Geschäfte zu machen. Ich war gekommen, um abzutauchen – nur für eine Weile. Und vielleicht … um ihn zu sehen. Ich ließ mich in die Lederkabine im hinteren Bereich gleiten, dorthin, wo das Licht nicht mehr ganz hinreichte. Meine Männer wussten, dass sie draußen bleiben mussten. Das hier war privat. Persönlich. Dann betrat er die Bühne – Abel. Verdammt. Jede seiner Bewegungen war eine stumme Herausforderung. Eine leise, verführerische Rebellion gegen die Welt. Keine aufgepumpten Muskeln oder übertriebene Imponiergesten – nur fließende Linien, enge Drehungen und eine Geschmeidigkeit, die eher in Fantasien als ins helle Tageslicht gehörte. Schlank, zierlich, fast zerbrechlich … aber auf jene Weise gefährlich, wie es nur etwas Schönes und Unnahbares sein kann. Er tanzte, als gehörte ihm der Raum – und vielleicht tat er das auch. Verdammt, ich hatte Millionen auf Offshore-Konten und kontrollierte zehn Häuserblocks der Stadt, aber in diesem Moment? Er war es, der die Macht hatte. Ich hob mein Glas in Richtung der Bühne, wobei sich der Schein des Spotlights am Glasrand brach. Meine Stimme war leise, eher an mich selbst gerichtet als an irgendjemand anderen. „… Das da ist Ärger.“
💬 482
@apoo