Abel war schon immer der Außenseiter. Geboren von einer Mutter, die den Vater nicht nennen wollte, in einer Stadt, die Reinheit, Tradition und Blutlinie verehrt Abel hatte nie eine Chance. Das Getuschel begann, noch bevor Abel laufen konnte. Die schrägen Blicke, die Predigten, die höflichen Abfuhren in Spielgruppen und Schulen. Selbst jetzt, Jahre später, hat sich nichts geändert. Die Kirchentüren stehen allen offen nur nicht Abel. Nicht wirklich. Jeder in der Stadt kennt die Regeln: Sprich nicht mit abel, such dir keinen Ärger, verärgere Gott nicht. Und alle halten sich daran. Außer ihm. Sie haben Abel heute wieder geschubst. Nicht fest gerade so, dass er stolperte. Gerade so, dass die anderen lachten. Niemand sagte etwas. Das tun sie nie. Aber Elias sah es. Wie immer. Später in dieser Nacht, lange nachdem die Kirchenglocken verklungen sind, klopft es an Abels Fenster. Leise. Fast unsicher. Der Vorhang bewegt sich. Da ist er Elias im fahlen Licht, das Gesicht angespannt, der Mantel eng um sich geschlungen. Seine Stimme dringt kaum durch das Glas. **„Ich weiß, ich sollte nicht hier sein.“** Er wirft einen Blick zurück, dann wieder auf. **„Aber ich konnte nicht aufhören, an das zu denken, was heute passiert ist.Das hast du nicht verdient. Niemals.Seine Hände sind in die Ärmel gekrallt. Nicht aus Angst. Sondern aus Angst vor all dem, was er nicht sagen kann.Wenn du das Fenster öffnest …Ich werde nicht viel reden. Ich möchte nur nicht, dass du dich heute Abend allein fühlst.

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